Historisch
lässt sich diese Modifikation auf das alte indianische Ritual
des Sonnentanzes zurückführen. Body-Suspension bezeichnet
eine Form der Körperveränderung, bei der eine Person
zeitweise an Piercings, zumeist in der Form von Haken, aufgehängt
wird. Bei Playpiercings werden Nadeln am Körper des
Bottom gesetzt, die nach dem Ende des Spiels wieder entfernt werden.
Vertikale
Suspensions
Bei
der Suicide-Suspension werden die Haken im oberen Bereich des Rückens
in der Nähe der Schulterblätter gestochen. Normalerweise
werden dabei 4 - 6 Haken verwendet. Es ist die am häufigsten
praktizierte Form der Suspension und wird vor allem von Anfängern
gewählt, da relativ wenige Haken ausreichend sind um den Körper
aufzuhängen und ihm dabei dennoch viel Bewegungsfreiheit lässt.
Dazu kann man die Arme in Position einer Kreuzigung mit Haken
hochhalten, dann spricht man von einer Crucifix Suspension.
Eine
belastendere Aufhängung als die eben genannte, ist die
Chest-Suspension, da die Haut im oberen Brustbereich (an der die
Haken gesetzt werden) vergleichsweise dünn ist. Hierbei ist
größte Sorgfalt auf eine gleichmäßige Atmung zu
legen, da es zu erschwertem Heben und Senken des Brustkorbes kommen
kann und damit zu Atemproblemen. Die irreführende Bezeichnung
„O-Kee-Pa“ basiert auf einem mehrtägigem Ritual der
Mandan-Indianer, also deutlich mehr als "nur" eine Chest
Suspension.
Bei
der Knee-Suspension hängt man kopfüber und ist mit Haken
seitlich an den Knien befestigt. Ein längeres Hängen
gestaltet sich aber etwas schwierig, da man ja schließlich mit
dem Kopf nach unten baumelt.
Der
klassischen Sitzhaltung des Yoga, dem Lotus-Sitz, ist die
Lotus-Suspension nachempfunden. Die Haken werden dabei am Rücken
und an den Beinen platziert. Die Gewichtsbelastung verteilt sich dann
gleichmäßig auf diese beiden Punkte.
Horizontale
Suspensions
Die
Coma-Suspension wird mit Setzung der Haken vom Oberkörper bis zu
den Schienbeinen durch die Haut auf der Vorderseite des Körpers
durchgeführt. Die Person hängt also horizontal mit dem
Gesicht nach oben.
Bei
der Superman-Suspension werden die Haken wie bei der Coma-Suspension
angebracht, allerdings auf der Rückseite des Körpers und in
gekrümmter Körperhaltung, da die Haken an Brustkorb und
Bauch befestigt sind, so dass die Beine und der Kopf nach unten
zeigen. Wie bei einer Pietà hängt der Körper
wie bei dem des toten Jesus Christi. Lässt man den so
Aufgehängten über Leute schweben, erweckt dies den Eindruck
eines fliegenden Menschen, quasi Superman.
Vorgang
Um
den Vorgang einfacher und schmerzärmer zu gestalten, werden die
Haken zumeist mit Gleitgel eingeführt. Nachdem diese durch die
Haut gestochen wurden, werden die Haken an Seilen befestigt und dann
an einem so genannten Suspension-Bar (Balken oder Rahmen mit zuvor
eingeschraubten Befestigungen) verknotet, um die Zugkraft der
verschiedenen Haken auszubalancieren. Anfangs wird mit einem
Flaschenzug etwas Spannung auf die Seile ausgeübt bis diese
straff gespannt sind, anschließend wird die Person langsam
hinaufgezogen. Als unangenehmster Zeitpunkt gilt der Übergang
zwischen dem festen Stand und dem freien Hängen. Je nach
persönlicher Belastbarkeit, Motivation und Körperstelle
entscheidet sich die Dauer des freischwebenden Hängens.
Vor
dem Entfernen der Haken werden die Wunden zunächst von
eventuellen Blutgerinseln befreit. Um unter der Haut angesammelte
Luft zu entfernen und die Muskulatur zu lockern, werden die
Einstichkanäle vor der Wundversorgung ausgiebig massiert.
Haken
Die
verwendeten Haken stammen oft aus der Hochseefischerrei. Diese sind
um einiges größer als die üblichen Angelhaken und
somit belastbarer. Sie haben zumeist Größen von 4-5 mm
Materialstärke und sind ca. 10 cm lang. Allerdings wird an
diesen vor dem Einsatz am menschlichen Körper der Widerhaken
entfernt. Man kann sich beim Metallbauer oder Schmied aber auch Haken
nach eigener Vorstellung anfertigen lassen, so z.B. mit einer
Sicherung die den Körper vor dem Herausrutschen bewahren kann.
Über
die optimale Anzahl der verwendeten Haken existieren unterschiedliche
Ansichten. Erhöhter Blutverlust beim Stechen und eine größere
Infektionsgefahr stehen eindeutig gegen eine Nutzung von vielen
Haken. Indessen wird dabei das Gewicht besser verteilt, dadurch ist
die Gefahr eines Ausreißens des Bindegewebes reduzierter und es
zeigt den positiven Aspekt besser.
Risiken
Bei
allen Piercings kann es bei unzureichenden Hygienemaßnahmen
schnell zu Infektionen und Krankheitsübertragungen kommen, so
auch hierbei. Kreislaufprobleme bis hin zur Besinnungslosigkeit
können während des Hängens auftreten. Trotz hoher
Belastbarkeit des Gewebes kann es – infolge falscher Platzierung
der Haken, unzureichender Hakenstärke oder schwachem Bindegewebe
– ausreißen. Eine Suspension stellt eine große
Anstrengung für den Körper dar. Häufig kommt es danach
zu Rückenschmerzen. Besonders bei Personen mit Rückenproblemen
sind langfristige Schäden nicht ausgeschlossen.
Schmerzen
Durch
psychische Vorbereitung, Entspannung und einen Dämmerzustand
kann der Schmerz bei einer Suspension bewusst gesteuert und minimiert
werden. Das Gefühl beim Durchstechen der Haut ähnelt dem
eines gewöhnlichen Piercings, wobei jedoch weitaus mehr Druck
ausgeübt wird, da es sich hierbei ja um viel stärkere
Piercings handelt. Auf Grund der erzeugten Spannung beim Hochziehen
entsteht ein brennendes Gefühl. Als bei weitem erträglicher
und relativ konstant werden die Schmerzen während des Hängens
beschrieben. Dahingegen kann das Herausdrücken der angesammelten
Luft aus dem Stichkanal bei der anschließenden Massage als sehr
unangenehm wahrgenommen werden. Oft kommt es zudem zu einem starken
Muskelkater.
Motivation
Wie
bei allen Piercings kann die Durchführung einer Suspension auf
den unterschiedlichsten Beweggründen beruhen. Für den Einen
ist es eine Herausforderung, für den Anderen schlichtweg ein
Kick, da es dabei zu erhöhter Adrenalinausschüttung kommen
kann. Zumeist handelt es sich bei einer Suspension um eine Art Mut-
und Belastbarkeitsprobe des eigenen Körper und Geistes. Durch
einen meditativen Zustand gelangen viele Menschen während des
Hängens zu einer eingehenden Bewusstseinserweiterung. Das Gefühl
des freien Schwebens dürfte ein zusätzlicher Beweggrund
sein.
Play-Piercings
In
diesem Fall werden Nadeln (Akupunkturnadeln oder dünne
Braunülen) oft auch durchgezogene Piercings am Körper des
Bottom gesetzt, die nach dem Ende des Spiels wieder entfernt werden.
Oft werden an den so mit dem Körper verbundenen Piercings (meist
Ringe) dünne Kettchen oder Fäden befestigt, um diese
miteinander zu verbinden. Dadurch entstehen auch die bekannten
Korsett-Piercings. Erfahrungsgemäß geschieht diese
Modifizierung im Rahmen einer Bondage-Session um den Körper dann
in einer definierten Haltung zu fixieren. Das Verletzungsrisiko ist
durch ein mögliches ungewolltes Ausreißen der Piercings
ziemlich hoch.
Eine
erweiterte Spielart ist das Befestigen von leichten Gewichten an
Körperpiercings, dadurch werden die Bewegungen des gepiercten
Bottoms in Schmerzreize umgesetzt.
Motivation
Die
Motivation zur Durchführung von Play-Piercings kann neben
Fetischismus auch in der erhöhten Adrenalinausschüttung
oder der entsprechenden Körpererfahrung begründet sein.
Auch aus ästhetischen Gründen werden Play-Piercings häufig
gestochen, beispielsweise im Rahmen von Foto-Shootings.
Anordnung
Je
nachdem, wie mehrere Piercings miteinander kombiniert oder angeordnet
sind, redet man von einem Orbital oder einem Venom-Piercing. Orbitals
sind 2 Piercings verbunden mit einem Ring. So kann beispielsweise ein
Ring durch zwei gegenüberliegende Schamlippenpiercings geführt
werden. Auch das Industrial-Piercing (2 Stichkanäle verbunden
mit einem Barbell) sowie der Nasallang, der durch beide Nasenflügel
und die Nasenscheidewand führt, zählen zu den
Orbital-Piercings. Verlaufen Piercings symmetrisch z.B. entlang des
Ohrrandes, in der Zunge, Lippe oder der Labien, handelt es sich um
Venom-Piercings.
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