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Mittlerweile sieht man sie an jeder
Strassenecke, im Café und auch im Supermarkt. Die Rede ist von
Piercingschmuck. Ob Bananabells, Plugs oder Klemmringe, nie waren sie
so akzeptiert wie jetzt. Das kommt zum einen durch die nachwachsende
Generation, die damit aufgewachsen ist und zum anderen durch die
Medien. Wo sich früher die Enkeltocher noch vor der Oma
versteckt hat, damit diese ja nicht das Zungenpiercing entdecken
kann, herrscht heutzutage ein steigendes Interesse an einem
eigentlich schon seit Jahrhunderten bestehenden Ritual.
Die Anfänge gehen bis in die schon
fast vergessene Ära der Ägypter. Dort war es hoch
angesehen, ein Bauchnabelpiercing zu tragen. Auch noch heute gibt es
unter anderem afrikanische Stämme, die sich aus rituellen
Beweggründen Piercings stechen lassen. Natürlich lässt
sich hierzulande kaum noch einer ein Piercing stechen weil er oder
sie hoher Ansehen geniessen oder eine besondere Gabe haben. Vielmehr
ist es der Wunsch nach Individualität und der Abgrenzung von der
Umwelt. Gleichzeitig bemerkt man eine zunehmende Häufung populär
gewordener Piercings. Das beste Beispiel ist das Bauchnabelpiercing,
was mittlerweile fast 1/5 aller Bäuche ziert.
Und dennoch haben viele Piercingträger
Probleme mit ihrem Berufsleben. Das fängt an beim Bankkaufmann
und geht bis zu Kindergärtnerin, denn dort ist es ein nicht gern
gesehenes Übel, welches mit dem Prestige des Unternehmens in
Konflikt gerät. Und auch wenn man diese Beweggründe
versteht, ist es doch ein erheblicher Einschnitt in unsere
individuelle Entfaltung, und trifft nicht selten auf Gegenwehr. Meist
endet dieser Konflikt mit einer nicht ehrlich gemeinten Einsicht des
Piercingträgers, der das Schmuckstück dann entfernt. Denn
die andere Wahl wäre dann meist eine Kündigung oder
nicht-Einstellung gewesen, und wer kann sich das heutzutage noch
leisten. Witzig sind hingegen die Mittelwege. Manche einigen sich auf
Pflaster, die dann das Schmuckstück abdecken, andere wiederum
feilschen mit dem Arbeitgeber um jedes einzelne Schmuckstück.
Und wie witzig und ausgefallen diese Kompromisse auch sein mögen,
sie stellen immer die Individualität der betroffenen Person
infrage.
Vielleicht braucht es ja noch einmal 30
bis 50 Jahre und dann wird auch das ein Problem sein, das in die
Vergangenheit gehört. Natürlich bleibt es weiterhin
Geschmackssache, ob einem ein Piercing gefällt oder nicht, aber
das ist ja bei vielen Dingen im Leben so, und auch das macht unsere
individuelle und tolerante Gesellschaft aus, die wir ja sein wollen.
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